Von:
Julia Helmke

e-museen.de

„Und was machen wir heute?“ - „Ach, lass uns doch mal ins Museum gehen!“ „Kathedrale in Manhattan“ – so wird das neue Gebäude des Museums of Modern Art in New York oft beschrieben. Da Museen oft am Sonntag (und teilweise statt Gottesdienst) besucht werden, gibt es manche, die in Museen die Kirchen der Postmoderne sehen.

Und in der Tat lassen sich überraschend viele Gemeinsamkeiten zwischen Museum und Kirche finden: Es ist ein exklusiver Ort, der zugleich für alle offen ist. Es gilt eine Schwelle zu überschreiten, die das Außen vom Innen trennt. Innen ist es zumeist andächtig ruhig. Es gilt Zeit mitzubringen. Ziel ist es, mit der Lust am Schauen mehr über den Menschen und das Mensch-Sein an sich zu lernen, sich zu bilden und zu orientieren. Und wenn das gelungen ist, tritt man bereichert und mit erweitertem Horizont wieder in die Alltagswelt hinaus.

Von der ursprünglichen griechischen Wortbedeutung ist das Museum ein „Heiligtum der Musen“ (Muse = Schutzgöttin der Künste, Kultur und Wissenschaften). Entstanden sind die ersten Museen im 17. und 18. Jahrhundert teilweise aus kirchlichen „Wunderkammern“ und privaten Sammlungen. In der Zeit der Aufklärung wird die Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart wiederentdeckt. Museen werden zu öffentlichen Räumen eines kulturellen Gedächtnisses: das schließt bildende Kunst ebenso ein wie Natur-, Volks- oder Technikgeschichte.

Heutzutage sind zum Glück die Zeiten vorbei, als ein Museum vollgestellt war mit Dingen, die seltsam riechen und schlecht ausgeleuchtet von der Historie künden. Museen sind dazu da, zu sammeln, zu bewahren, zu erforschen und dies alles für die heutige Zeit zu vermitteln. Sie wollen das, was uns vorausgegangen ist für die Gegenwart und Zukunft ins Gedächtnis rufen und einen Raum eröffnen für die Diskussion, wie die Welt gesehen und wahrgenommen wird. Und das alles nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Entdeckerfreude und fröhlicher Neugier.

Unwahrscheinlich spannend ist dabei die Vielfalt der Schöpfung und des Geschaffenen. Das verbindet sie mit dem Besuch einer Kirche, in der es um die Begegnung mit Gott geht in Leid und Freude und wir staunen können über die Geschichte(n) Gottes mit den Menschen, die wir immer wieder neu im Evangelium hören und daraus leben. Und wir nicht nur schauen können, sondern persönlich angesprochen werden, auf das, was uns hält und trägt. In dem Sinne: „Was machen wir heute?“ „Wie wäre es mit Gottesdienst und Museum?!“